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Basisinformationen

  • Sexuelle Gewalt

    Benutzt eine erwachsene Person ein Kind, eine oder einen ihr anvertraute/anvertrauten Jugendliche oder Jugendlichen oder eine/einen erwachsene/n Schutzbefohlene/Schutzbefohlenen, um eigene sexuelle Bedürfnisse oder Machtbedürfnisse auszuleben und zu befriedigen, übt sie „sexuelle Gewalt“ aus. Jede Form von sexuellen Handlungen vor oder an Kindern, Jugendlichen oder erwachsenen Schutzbefohlenen ist Gewalt.

  • Kinderschutz durch Aufklärung über mögliche Gefahren

    Es ist schwierig, Kinder damit vertraut zu machen, dass ihnen auch Bedrohungen begegnen können. Es ist aber eine notwendige Aufgabe.

    • Kinder unterstützen bei der Ausbildung eigener sexueller Identität: Kinder sollten einen guten Bezug zu ihrem Körper mit seinen Bedürfnissen entwickeln; sie müssen eine Vorstellung erlernen können, wie ihre eigene sexuelle Identität gelingen kann. Wer den Kindern helfen will, unterstützt sie bei diesem schwierigen und schönen Lernprozess.
    • Scham - Flucht - Suche nach Hilfe: Dabei sollten Kinder auch lernen, der Situation, in der ihre Schamgrenze verletzt wird oder den Personen, die ihnen durch sexuelle Ausbeutung schaden wollen, zu entfliehen oder andere Menschen zu Hilfe zu holen oder sich zu wehren.
    • Schutz durch Selbstsicherheit: Zugleich müssen alle Kinder in ihrer Selbstsicherheit gestärkt werden. Denn die sich entwickelnde Stärke der Kinder ist auf Dauer ihr bester Schutz.
    • Kindeswohlgefährdung erfordert Einschreiten: Sexueller Missbrauch an Kindern und Schutzbefohlenen stellt eine Gefährdung des Kindeswohls dar. Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendhilfe solche Delikte beobachten, davon Kenntnis erlangen oder vermuten, haben sie entsprechend der gesetzlichen Vorgaben des KICK (Kinder- und Jugendhilfe-Weiterentwicklungsgesetz) gemeinsam mit dem Kind und den Sorgeberechtigten die Gefährdung zu beenden. Unterstützend steht den Institutionen die "Insoweit erfahrene Fachkraft" (InsoFa) zur Verfügung. Hinweise geben diesbezüglich die zuständigen Jugendämter. Für Schulen gelten vergleichbare Gesetze. Ergänzend gibt es einen Handlungsleitfaden sowie eine ergänzende Handreichung für Lehrer/innen und Mitarbeiter/innen in den Schulen, die auf der Homepage der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) zur Verfügung stehen.

      Kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden in Basisschulungen befähigt, sexuell übergriffige Menschen zu konfrontieren. Sie machen ihnen deutlich, dass sie respektloses und/oder übergriffiges Verhalten nicht dulden und dies ggf. zur Anzeige bringen.
    • Schutz bei Erwachsenen: Kinder brauchen die Nähe ihrer Eltern und die Geborgenheit bei ihnen, damit sie Nähe und Geborgenheit nicht bei anderen Menschen suchen müssen. Einer besonderen Gefahr sind solche Kinder ausgesetzt, die unsicher oder emotional vernachlässigt und deshalb übermäßig auf Zuneigung angewiesen sind.
  • Kinder können niemals zustimmen

    Solche Handlungen beeinträchtigen die sexuelle Entwicklung der Minderjährigen und schädigen sie. Kinder haben eine eigene kindliche Sexualität. Sie können aufgrund ihres Entwicklungsstandes nicht wissen, was Erwachsene mit ihren Handlungen bezwecken; erst recht können sie dem nicht zustimmen oder damit auch nur einverstanden sein. Vielmehr nutzt die ältere Person die körperliche und geistige Unterlegenheit des jüngeren Menschen bzw. der oder des erwachsenen Schutzbefohlenen aus, um eigene Bedürfnisse auf Kosten des Kindes, der oder des Jugendlichen bzw. der oder des erwachsenen Schutzbefohlenen zu befriedigen. (Als Kinder gelten vor dem Gesetz Minderjährige unter 14 Jahren.)

  • Täter / Täterin im Raum der Kirche

    Wenn ein Priester oder ein Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin einer kirchlichen Einrichtung des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird.

  • Vertrauenspersonen aus dem näheren Umfeld

    Die Täter und Täterinnen können aus dem familiären Umfeld stammen; sie arbeiten als Erzieherinnen oder Erzieher, Lehrerinnen oder Lehrer, engagieren sich in Vereinen und in der Jugendarbeit oder in der Pfarrgemeinde. Manche übernehmen ein ehrenamtliches Engagement oder ergreifen einen entsprechenden Beruf, um in die Nähe von Kindern, Jugendlichen oder erwachsenen Schutzbefohlenen zu kommen; manche suchen Kontakt zu Partnerinnen und Partnern mit Kindern. So können potentielle Täter und Täterinnen sich Personen aussuchen, die sie am leichtesten sexuell ausbeuten können.

  • Verantwortlich: Immer der bzw. die Erwachsene

    Die Verantwortung für Straftaten in diesem Bereich liegt immer beim Erwachsenen und nie beim Kind. Selbst wenn sich ein Kind oder ein Schutzbefohlener in einen Täter oder in eine Täterin „verlieben“ sollte, ist das Kind bzw. der Schutzbefohlene nicht verantwortlich für das, was ihm angetan wird. Niemand darf an einem Kind sexuelle Handlungen ausführen, selbst wenn es sich nicht ausdrücklich wehren sollte. Immer macht sich der Erwachsene strafbar.

  • Staatliches Strafrecht

    Auch die staatlichen Regelungen greifen. Wenn sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige und/oder Schutzbefohlene gerichtlich nachgewiesen wird, kann das Strafgericht eine Freiheitsstrafe zwischen drei Monaten und zehn Jahren verhängen. Nach staatlichem Recht verjährt die Tat jedoch spätestens zwanzig Jahre nachdem das Opfer volljährig geworden ist. Dann kann keine Strafverfolgung mehr erfolgen.

  • Dienstrecht der Kirche

    Das Bistum Trier macht über das staatliche (Straf-)Recht hinaus von den Möglichkeiten des Dienstrechts der Kirche Gebrauch. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich des Missbrauchs an Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Schutzbefohlenen schuldig gemacht haben, dürfen nicht mehr in der Kinder- und Jugendarbeit, in der Jugendhilfe oder Schule  eingesetzt werden. Verjährungszeiten wie bei der staatlichen Strafverfolgung gelten hier nicht.
    Bereits wenn es „nur“ Beschuldigungen gibt, kann der bzw. die Beschuldigte bis zur eindeutigen Klärung des Sachverhaltes aus der bisherigen Wirkungsstätte abgezogen werden.


    Bei entsprechenden Taten von Priestern leitet der Bischof den Fall außerdem an die römische Kongregation für die Glaubenslehre weiter. Sie entscheidet über das weitere Vorgehen. Das mögliche Strafmaß reicht dabei bis zur Entlassung aus dem Klerikerstand.