Basisinformationen

Sexuelle Gewalt

Benutzt eine erwachsene Person ein Kind, eine/n ihr anvertraute/n Jugendliche/n oder eine/n erwachsene/n Schutzbefohlene/n, um eigene sexuelle Bedürfnisse oder Machtbedürfnisse auszuleben und zu befriedigen, übt sie „sexuelle Gewalt“ aus. Jede Form von sexuellen Handlungen vor oder an Kindern, Jugendlichen oder erwachsenen Schutzbefohlenen ist Gewalt.

Kinder können niemals zustimmen

Solche Handlungen beeinträchtigen die sexuelle Entwicklung der Minderjährigen und schädigen sie. Kinder haben eine eigene kindliche Sexualität. Sie können aufgrund ihres Entwicklungsstandes nicht wissen, was Erwachsene mit ihren Handlungen bezwecken; erst recht können sie dem nicht zustimmen oder damit auch nur einverstanden sein. Vielmehr nutzt die ältere Person die körperliche und geistige Unterlegenheit des jüngeren Menschen bzw. der/des erwachsenen Schutzbefohlenen aus, um eigene Bedürfnisse auf Kosten des Kindes, der/des Jugendlichen bzw. der/des erwachsenen Schutzbefohlenen zu befriedigen. (Als Kinder gelten vor dem Gesetz Minderjährige unter 14 Jahren.)

Täter/Täterin im Raum der Kirche

Wenn ein Priester oder ein Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin einer kirchlichen Einrichtung des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird.

Vertrauenspersonen aus dem näheren Umfeld

Die Täter und Täterinnen können aus dem familiären Umfeld stammen; sie arbeiten als Erzieherinnen oder Erzieher, Lehrerinnen oder Lehrer, engagieren sich in Vereinen und in der Jugendarbeit oder in der Pfarrgemeinde. Manche übernehmen ein ehrenamtliches Engagement oder ergreifen einen entsprechenden Beruf, um in die Nähe von Kindern, Jugendlichen oder erwachsenen Schutzbefohlenen zu kommen; manche suchen Kontakt zu Partnerinnen und Partnern mit Kindern. So können potentielle Täter und Täterinnen sich Personen aussuchen, die sie am leichtesten sexuell ausbeuten können.

Verantwortlich: Immer der/die Erwachsene

Die Verantwortung für Straftaten in diesem Bereich liegt immer beim Erwachsenen und nie beim Kind. Selbst wenn sich ein Kind oder ein Schutzbefohlener in einen Täter oder in eine Täterin „verlieben“ sollte, ist das Kind bzw. der Schutzbefohlene nicht verantwortlich für das, was ihm angetan wird. Niemand darf an einem Kind sexuelle Handlungen ausführen, selbst wenn es sich nicht ausdrücklich wehren sollte. Immer macht sich der Erwachsene strafbar.

  • Staatliches Strafrecht

    Auch die staatlichen Regelungen greifen. Wenn sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige und/oder Schutzbefohlene gerichtlich nachgewiesen wird, kann das Strafgericht eine Freiheitsstrafe zwischen drei Monaten und zehn Jahren verhängen. Nach staatlichem Recht verjährt die Tat jedoch spätestens zwanzig Jahre nachdem das Opfer volljährig geworden ist. Dann kann keine Strafverfolgung mehr erfolgen.

  • Bistum Trier: Zudem wird dienstrechtlich verfahren

    Das Bistum Trier macht über das staatliche (Straf-)Recht hinaus von den Möglichkeiten des Dienstrechts der Kirche Gebrauch. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich des Missbrauchs an Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Schutzbefohlenen schuldig gemacht haben, dürfen nicht mehr in der Kinder- und Jugendarbeit, in der Jugendhilfe oder Schule  eingesetzt werden. Verjährungszeiten wie bei der staatlichen Strafverfolgung gelten hier nicht.
    Bereits wenn es „nur“ Beschuldigungen gibt, kann der bzw. die Beschuldigte bis zur eindeutigen Klärung des Sachverhaltes aus der bisherigen Wirkungsstätte abgezogen werden.


    Bei entsprechenden Taten von Priestern leitet der Bischof den Fall außerdem an die römische Kongregation für die Glaubenslehre weiter. Sie entscheidet über das weitere Vorgehen. Das mögliche Strafmaß reicht dabei bis zur Entlassung aus dem Klerikerstand.

  • Dienstrecht: Abgestufte Regelungen - immer zum Wohle der Schutzbefohlenen

    In schweren Fällen können Täter und Täterinnen an der Ausübung eines kirchlichen Dienstes gehindert oder auch aus dem kirchlichen Dienst ausgeschlossen werden. In weniger schweren Fällen besteht die Möglichkeit, sie unter einer unmittelbaren und über die früheren Taten informierten Dienstaufsicht in solchen Aufgabenbereichen einzusetzen, in denen sie keinen Umgang mit Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Schutzbefohlenen haben.