Konkrete Schutzmaßnahmen

Was Eltern oder Bezugspersonen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen beitragen können:

Erziehen Sie Ihre Kinder gewaltfrei und pflegen Sie ein respektvolles Miteinander. Das ist der beste Schutz für Ihre Kinder. Denn somit können Ihre Kinder zwischen einem angemessenen Umgang miteinander und einer Grenzverletzung und/oder einem (sexuellen) Übergriff deutlich unterscheiden.


Erziehen Sie Kinder zu selbstbewussten Persönlichkeiten, die Unrecht und Unangenehmes nicht hinnehmen und „Nein“ sagen können.


Informieren Sie sich selbst gut, damit Sie Ihren Kindern richtige Informationen geben können. „Geh nie mit einem Fremden“ ist zwar richtig, aber zu wenig, denn der größte Teil sexueller Übergriffe wird von Personen ausgeführt, die die Kinder gut kennen. Besser sagen Sie den Kindern: „Wenn dir etwas komisch vorkommt, darfst du es erzählen.“ Das muss auch dann gelten, wenn es um Autoritätspersonen oder um die besten Freunde der Eltern geht.


Auch wenn Ihre Kinder Ihnen scheinbar "Unglaubliches" erzählen, schenken Sie ihnen Glauben. Denn Täter/innen sind sehr erfindungsreich in ihren kriminellen Handlungen und ihren Verschleierungstaktiken.


Sprechen Sie mit Kindern über Sexualität und klären Sie ihre Kinder auf. Ihre Kinder können auf diese Weise eine deutliche Sprache entwickeln. Ihr Kind ist besser geschützt, wenn es seinen Körper und seine Körperteile klar benennen kann. Manche Täter/innen verpacken die sexuellen Handlungen an Kindern in "Spiele" und versuchen dadurch auch die Sprache zu manipulieren und zu kontrollieren.


Hören Sie Kindern und Jugendlichen zu, wenn sie Ihnen etwas erzählen wollen. So erfahren junge Menschen, dass sie mit ihren Sorgen zu Ihnen kommen können.

Erklären Sie Kindern, dass es schöne und abstoßende Berührungen gibt und dass sie selbst am besten spüren und wissen, wenn es unangenehm wird z. B. beim Schmusen, Toben, Kitzeln.


Bestärken Sie ein Kind, das sich gegen unerwünschte Nähe wehrt. (Ein gutes Vorbild für Kinder ist hier die Katze: Die kommt nur dann schmusen, wenn sie es will – und sonst fährt sie die Krallen aus.)


Sorgen Sie mit für ein unterstützendes Netzwerk und dafür, dass Kinder und Jugendliche Vertraute haben. Als Eltern können Sie z. B. bei der Auswahl von Patinnen und Paten darauf achten, dass diese sich auch emotional um ihr Patenkind kümmern können, wenn Sie als Eltern einmal ausfallen sollten. Je isolierter ein Kind aufwächst, umso sicherer kann ein/e Täter/in sein, dass das Kind „dichthält“ und ihn/sie dadurch schützt. Je mehr Bezugspersonen ein Kind hat, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich einem/einer Erwachsenen anvertraut.


Vermitteln Sie dem Kind, dass sein Körper ihm gehört und dass es selbst entscheiden darf, wie nah ihm eine andere Person kommen oder wer es anfassen darf. Dazu gehört z. B. dass Sie das Kind bestärken, wenn es auch bei "Respektspersonen", bei guten Freunden und Verwandten nicht die Hände schütteln will, nicht geküsst oder umarmt werden mag. Verlangen Sie von den Erwachsenen, dass sie die Entscheidung des Kindes respektieren.


Unterbinden Sie übergriffiges Verhalten anderer Erwachsener frühzeitig, wenn Kinder Ihnen davon erzählen oder wenn Sie es selbst bemerken. Kinder sind oft noch nicht in der Lage, sich selbst ausreichend abzugrenzen.


Zeigen Sie den Kindern und Jugendlichen am besten durch Ihr eigenes Vorbild, dass man sich wehren darf, und wie man das macht.

Allerdings:

Diese Maßnahmen mindern lediglich das Risiko, dass Minderjährige sexuell missbraucht werden. Wenn trotzdem jemand Kindern oder Jugendlichen durch solche Delikte schadet, dann brauchen sie erwachsene vertraute Menschen, denen sie sich anvertrauen können und die für sie gegen den/die erwachsene/n Täter/in eintreten. Und sie brauchen Hinweise, wo es Hilfe gibt.